Berlinaleblog

67. Berlinale, 9.-19. Februar 2017

Mahana – endlich ein Film mit Schafen

Mahana ist ziemlich altmodisches Kino. Nicht nur, dass der Film in den frühen sechziger in Neuseeland Jahren spielt, der ziemlich konventionelle Soundtrack, der Plot von den verfeindeten Maori-Familien, das despotische Familienoberhaupt, dessen Autorität vom aufgeweckten Enkel in Frage gestellt wird, ein Wettkampf, den das Team der Protagonisten natürlich gewinnt (nee, das war jetzt kein Spoiler, es war wirklich nicht überraschend), das ist alles nicht sonderlich ungewöhnlich erzählt.

Mir hat der Film aber dennoch gut gefallen. So geht eine Geschichte, in die die Zuschauerin sich einfach reinfallen lassen kann, ohne den Kopf groß anstrengen zu müssen: schöne Menschen, schöne Landschaften, schöne Schafe, schöne Autos. Eine Familientafel mit mindestens fünfzehn Menschen drum herum ist ein schönes Bild, ich sehe gerne, was zu essen serviert wird, auch wenn die dargestellte Dynamik schon hunderte Male gezeigt wurde. Ich mag es, wenn die Oma im Abendlicht für die um sie herumfliegenden Bienen singt, und Schafe in der Landschaft, Schafe, die vom Hund geschickt zusammen getrieben werden, Schafe, denen beim Schafscherwettbewerb das Wollkleid ausgezogen wird, sind einfach sehr schön anzuschauen.

In der taz wurde Mahana ziemlich verrisssen – der Artikel ist leider nicht online. Ich teile zwar den Verriss nicht, aber vielleicht wäre der Film in der Kategorie Generation doch besser aufgehoben gewesen als im Wettbewerb, wo man sich vielleicht ein bisschen innovativeres Kino wünschen könnte.

3 Kommentare

  1. maxuta

    Am Seiteneingang des Hyatt standen Haushaltsleiter-Fotografen mit Mr-Morrison-Please-Rufen. Und erst hinterher habe ich begriffen, dass es Regisseur Lee Tamahori und Hauptdarsteller Temuera Morrison waren, die dort gerade signierten und posierten.
    Auch Eintrittskarten für die Premiere im Berlinale-Palast wären drin gewesen. In den Arkaden lief jemand rum und wollte sie loswerden – und interessant fand ich diesen Film auch.
    Aber innovatives Kino hätte ich nicht erwartet – das ist für mich weiterhin nicht das Thema des Wettbewerb. Auch wenn ich immer mehr beeindruckt bin, wie mutig und experimentell der Wettbewerb mittlerweile geworden ist. Trotzdem sind wir unserer Linie treu geblieben, nur ausnahmsweise Wettbewerb zu gucken.
    Als in diesem Jahr nun ein 8-Stunden-Dokumentarfilm eines ehemaligen Forums-Regisseur im Wettbewerb und Depardieu im Forum auftauchten, fingen wir schon an zu überlegen, was da los ist… auf jeden Fall scheint Kosslick die Marktgerechtigkeit richtig kitzeln zu wollen 🙂

  2. micha

    Na dann umso mehr: wäre der Film in Generation gelaufen, hättest Du ihn gesehen. Und wahrscheinlich hätte er Dir auch gefallen, oder?

  3. maxuta

    Ich vermute mal… beim Wettbewerb hoffe ich auf meine zweite Chance – oft kommen diese Filme ja ins Kino. Und dafür ist der dann schonmal vorgemerkt – und wird sich mit unserem Neuseeland-Alltime-Favourite ‚This way of life‘ messen… Besprechung siehe hier im Blog 🙂