Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Remainder – Konstruktion von Erinnerung

Der Anfang von Remainder  von Omer Fast ist super – da ist ein junger Mann mit einem Rollkoffer, der versucht, jemanden zu erreichen. Er hat noch Blickkontakt zu einer jungen Frau, den Koffer hat er ein paar Meter entfernt stehen lassen, er sieht sich um und wird von etwas auf den Kopf getroffen. Er erwacht irgendwann aus dem Koma, bekommt eine Entschädigung von 8,5 Millionen Pfund, ohne zu wissen, wofür eigentlich. Er muss alles neu lernen und versucht mit dem Geld, die Realität zu rekonstruieren, die seine Erinnerungsfetzen noch hergeben, um aus der Konstruktion weitere Erinnerungen hervorzulocken. Das wirkt am Anfang ein bisschen schrullig, wird aber immer gewaltsamer und düsterer.

Soweit das Setting, das mir wirklich gut gefallen hat. Der Schaden, der im Kopf des Mannes angerichtet wurde, wird von Tom Sturridge sehr eindrücklich dargestellt. Ich weiß auch nicht, weshalb es mich gestört hat, dass die Rekonstruktion immer unwahrscheinlicher wurde – Zeitschleifen brauchen keiner Wahrscheinlichkeit zu gehorchen. Eigentlich bin ich mehr als bereit, mich auf solche Dinge einzulassen, aber für mich hat es am Ende dann nicht funktioniert. Vielleicht hätte ich mir zumindest eine innere Logik gewünscht? War es sein oder Catherines Koffer? Hat sie ihn nur zurück geholt? Waren die Cops wirklich welche? Weshalb haben sie den Kleindealer erschossen? Wieso stören mich lose Enden ausgerechnet hier? Keine Ahnung.

Andere Leute sind begeisterter, z.B. Steffen Wagner im Festivalblog, wo es auch noch ein Interview mit Omar Fast gibt.

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