Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

37 uses for a dead sheep

fand ich ein bisschen unspektakulär. Aber nach den "9 Leben des Tomas Katz" – einem meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre, ein surrealistischer London-Film mit dem definitiv besten Weltuntergang der Weltgeschichte – waren die Erwartungen an Ben Hopkins eben auch sehr hoch.

Die Idee, die ethnographierten Menschen direkt im Film mitspielen zu lassen, finde ich zwar Klasse (und ziemlich innovativ), aber alles in allem blieb der Film bei mir ein bisschen blass. Vor allem über die "Zweiteilung" der Kirghus in welche, die die alte Heimat noch kennen, und die, die in der Türkei geboren sind, hätte ich gern mehr gesehen.

Naja, schlecht wars aber nicht.

Ein Kommentar

  1. das kann ich dann doch nicht unkommentiert lassen – schliesslich war 37 uses for a dead sheep einer meiner besten Filme dieses Jahr. Blitzwache Menschen, die gerne über ihr heutiges und früheres Leben reden, und was man alles aus oder mit einem Schaf machen kann. Vorsicht, Spoiler: bei den 37 Möglichkeiten ist Reiten nicht dabei. Die Pamir-Kirgisen haben eine unglaubliche Geschichte hinter sich, vom russischen Pamir nach China über den letzten Zipfel des von Machtpolitik geformten Afghanistan nach Pakistan und schliesslich in die Türkei. Alles in ca. 60 Jahren, angekommen sind nur etwa 2000, ein kleiner Rest. Der Film funktioniert auf verschiedenen Ebenen: er erzählt, wie er gemacht wurde, und mit wem, die Dargestellten kommentieren das Filmen, dürfen sich wehren und eingreifen. Was ihn genial macht, sind filmisch inszenierte Episoden aus der Geschichte, mit grobem Korn gefilmt, teils schwarzweiss und mit Stummfilm-Zwischentiteln. Der offensichtliche Spass am Spielen verbindet sich mit ernsten Anliegen, oder dem Unbehagen, z.B. den eigenen Vater zu spielen. Es sieht so aus, als könnten die gleichen Bilder für die Pamir-Kirgisen etwas sein, ‚das sie schon längst mal wieder sehen wollten‘, während sie den Betrachter von aussen auf die Unschärfe seiner Betrachtungsmöglichkeiten verweist. Unerhört, ein Dokumentarfilm der es versteht, genau die Linie zu zeigen, was er darstellen kann und was nicht. Der Rest ist schnell erzählt: bei allem Unglück, das die Pamir-Kirgisen immer wieder vertrieben hat, war es vermutlich ihre turkmenische Sprache, die sie immer wieder neue Orte finden liess, bis sie endlich in die Türkei eingeladen wurden, sich dauerhaft niederzulassen. In dreissig Jahren wird dort wahrscheinlich niemand mehr übrig sein, vermutet ein junger Mann. Vielleicht gibt es dann aber noch das eine oder andere Yak, das in die Türkei gebracht nur noch Dekoration ist, und sich ’schlecht benimmt‘.

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