Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

Zhi fan ye mao – Geistergeschichte

Zhang Hanyi erzählt in Zhi fan ye mao (Life after Life) eine Geistergeschichte. Die vor zehn Jahren verstorbene Mutter nimmt Besitz von ihrem etwa 15-jährigen Jungen – lustig: seine Jacke, auf der vorne und hinten in adidas-Schrift „daoias“ steht. Sie ist zurückgekehrt, weil sie noch einen Wunsch offen hat. Eigentlich eher, weil sie findet, dass sie ein ausgesprochen schweres Leben hatte, in dem sie sich nie Wünsche erfüllt hat. Jetzt will sie den Baum, den ihr Vater ihr zur Hochzeit geschenkt hat, verpflanzen. Der ist aber schon ziemlich groß. Ihr Mann versucht, alle möglichen Leute zum Helfen zu bewegen, das klappt aber nicht. 

Sehr seltsam ist, dass sich niemand über die Rückkehr der Frau wundert. Ihr Vater fragt nur, was sie will, die Mutter beklagt sich, dass sie ihr nicht früher in schlaflosen Nächten Gesellschaft geleistet hat, jetzt sei sie immer müde, sogar tagsüber. Die Gegend ist furchtbar trostlos, der Obstgarten des fünften Onkels ist tot, die Lösshöhlen, in denen die Menschen früher gelebt haben, sind bereits verlassen, aber auch das Dorf mit den viel besseren Häusern (findet jedenfalls der Geist, dabei werden die Wohnhöhlen doch immer für das gleichmäßige und angenehme Klima gelobt) muss verlassen werden. Es gibt Familienfeiern, eine Ziege wird ganz brutal geschlachtet (hinterher erfahren wir, dass es in der Gegend eine Kunst sein soll, Ziegen zu schlachten, ohne dabei Blut zu vergießen – fürchterlich, Ziegen erwürgen, echt mal!). Die anderen Ziegen fliehen dafür auf einen Baum, das ist ein schönes Bild. Überhaupt kommen viele schöne Tiere vor: der Hund, als der der Vater des Ehemanns wiedergeboren wurde, Vögel – irgendeiner davon ist seine Mutter, Mäuse im Kleiderschrank und ein schönes schwarzes Pferd, das mit den historisch gewandeten Fremden (aus dem Filmschnipsel) rumsteht. Ich glaube, das waren auch Geister oder sowas.

Außerdem wird ein riesiger Felsblock von vier Männern mit Seilen wackelnd durch die Landschaft bewegt – das sei die einzige Methode ihn fortzubewegen. Ach so. Die Technik inspiriert dann später zum Abtransport des Baums. Ehrlich gesagt sieht das Unternehmen nicht besonders erfolgversprechend aus. Aber der Geist ist zufrieden und trägt ihrem Gatten auf, den Jungen zurück zu rufen. Das ist das Ende. Ich denke bei diesem Film, dass es egal ist, das Ende verraten zu haben, es war nicht besonders spannend, ob das Unterfangen jetzt gelingt oder nicht. Trotzdem war der Film nicht langweilig, sondern vor allem seltsam, und seltsam ist ja auch gut.

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