Alles Mittelmaß

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Irgendwie ist fast alles, was ich dieses Jahr sehe, mittelmäßig… es ging also weiter mit

Grüße aus Dachau

Hier sollte es darum gehen, wie die Bürger von Dachau mit dem KZ-Erbe umgehen und leben. Folgende Unterhaltung fand im Anschluss statt:

B: Na, wie fandest Du´s?
U: Naja, war ja ganz lustig (!) – aber irgendwie … ich weiß auch nicht … oberflächlich!
B: Genau, fand ich auch. Die ganze Zeit wurden der Bürgermeister und sonstige Offizielle befragt – und diese grässliche Stadtführerin…
U: …der perfekte Carmen-Nebel-Verschnitt…
B: ja, genau! Aber was das Leben neben dem KZ mit den Leuten macht, oder ob es sie verändert, das hat man nicht erfahren.
U:Eben! Es ist ja eine schöne Anekdote, wenn man sagen kann: „Mein erster Satz auf Englisch war ‚Do you know the way to the Concentration Camp’ – aber was das für die Kids bedeutet, wenn sie realisieren, was der Satz bedeutet, das will man doch wissen. Und ob dann mehr Verarbeitung folgt oder weniger, weil alles so normal und immer da ist, und wie Erinnerung überhaupt funktioniert – usw.
B:Ja eben. War alles ziemlich locker flockig – aber zum Kern ist man nicht vorgestoßen.
U:Nur die Nonne war gut
B:Und der Überlebende, Herr Mannheimer

Empathy – ein semi-dokumentarischer, semi-fiktionaler und semi-essayistischer Film über Psychoanalyse und Psychoanalytiker – dreimal „semi“ macht 1,5 Filme, und so war es auch – etwas zu kopfig, und ziemlich viele Ebenen und Inhalte, was zu viel Gerede führte und den Film zu voll und etwas lang machte. Und grässliche Musik. Aber durchaus nicht uninteressant für mich. Ziemlich viel modernes Zeug, über Repräsentationen, performative und konstruierte Identitäten, Autoritätsbilder, den Zusammenhang zwischen Architektur und Psychoanalyse und dergleichen mehr. Sowas lernt man auch bei den Kulturwissenschaftlern. Karin als Psychologin und Freudianerin fand den Film aber übrigens richtig schlecht.

Also wenn über mich mal ein Film gemacht wird, dann will ich den nie, nie vor Publikum sehen. Dem Mann aus Heirate mich (Hamburger, der eine Kubanerin geheiratet hat, und deren erste 1,5 Jahre in Deutschland gefilmt wurden) müsste es eigentlich auch so gegangen sein, denn er kam in dem Film echt schlecht weg – als verknöcherter deutscher Besserwisser – und das Publikum ließ auch entsprechende Reaktionen hören. Augenscheinlich (in der Diskussion) hat ihm das nichts ausgemacht, was auch nicht gerade für ihn spricht. Die Frau kam im Film dagegen prima weg, selbstbewusst und mit einem handfesten, praktischen Lebenssinn. Der Film kommt bei mir ganz gut weg, er reduziert die Geschichte nicht auf "arme Frau muss sich hier zurechtfinden", sondern die Charaktere blieben lebendig. Nur ging die Kamera für meinen Geschmack oft viel zu nahe an die Gesichter heran, und manche sehr persönliche Situation gefilmt zu sehen, fand ich ziemlich peinlich. Das geht mich nichts an, denke ich dann immer.

Aji war danach, da ich vorgewarnt und jeder Erwartung ledig war, gar nicht mehr sooo schlecht. Wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dass der Film einfach nicht vom Essen handelt, dann geht er so. Man kann sich dann an dem interessanten Unterschied zwischen dem modernen, marktorientierten, dynamischen und expansionswilligen Chinesen und der traditionsorientierten, puristischen alten Japanerin erfreuen. Da prallen wirklich zwei Zeiten und Weltsichten auf einander – Zucker oder nicht Zucker, das ist hier nur oberflächlich die Frage. Aber auf jeden Fall ließ der Film noch Zeit für ein kleines Schläfchen zwischendurch; und die eigentlich interessante Frage, warum und inwiefern sich denn eigentlich der Geschmack der Leute beim Essen verändert haben könnte, wurde auch nicht behandelt. Und überhaupt, hätte er mehr vom Essen handeln können. Das ist nun mal was Sinnliches, und der Film war extrem unsinnlich.