Berlinaleblog

69. Berlinale, 7.-17. Februar 2019

Oper in der Favela

Breath Umphefumlo war ein Film der südafrikanischen Truppe, die vor ein paar Jahren mit der Carmen-Verfilmung einen Bären gewonnen hat. Die hatte ich nicht gesehen, dehalb jetzt: „La Bohème im Township“.

An dem Film war eigentlich nichts falsch: die Bilder von Townships, Minbussen, Studentenfeten und Autobahnbrücken waren gut, die Umsetzung ins heutige Südafrika durchaus überzeugend, die Sänger haben (wenn man Oper mag) schön und nicht zu pathtetisch gesungen.

Trotzdem: die Ausgangssituation: dass die da in den Wellblechhütten klassische Oper singen, hat einfach einen so hohen Weirdness-Faktor, dass er ( zumindest mir) dem einfachen Genießen im Weg steht. Was soll uns das Setting beweisen: die überzeitliche Gültigkeit der klassischen Oper? Oder die klassische Tragik des Lebens in den Townships?

Keine Frage: ich wusste, worauf ich mich einlasse, ich habs mal ausprobiert, es war auch gar nicht schlecht, aber so richtig funktioniert hat es bei mir nicht.

2 Kommentare

  1. micha

    Hmm, ich habe diesen Film nicht gesehen, aber den ersten. Und was mir jetzt dazu einfällt: ich glaube nicht, dass es sein muss, dass das Setting eine der beiden Alternativen beweisen will. Vielmehr habe ich die Fantasie – die überhaupt nicht stimmen muss – dass irgendwer diese Opern klasse findet, unabhängig, ob sie nun etwas Universelles vermitteln oder nicht, und Leute suchte, die Spaß dran haben, sie zu inszenieren. Ich erinnere mich, dass wir zu Rainas und Li Fengs Hochzeit Mendelssohn-Lieder eingeübt haben (Von „Entflieh mit mir und sei mein Weib“ bis „Auf ihrem Grab“) – nicht ganz passend, aber mit unglaublich viel Spaß und Begeisterung im vierstimmigen Satz vorgetragen. Soviel zum Weirdness-Faktor…

  2. ulla

    Ja, womöglich ist das mein eigentliches Problem mit der Sache – ich stehe einfach nicht besonders auf Oper, und kann mir daher hinter einem solchen Projekt nur einen rationalen Grund denken, wo es vielleicht einfach Begeisterung für diese Kunstform ist (die mir abgeht). Das mag sein! Und wie gesagt: schlecht war’s ja nicht…