Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

It’s kindergarten time! Ein Eintrag mit Aufgabe

Vor 5 Jahren bin ich ja zufällig in der Kindergarten-Kurzfilmschiene gelandet und hatte ein großes ästhetisches und überhaupt Vergnügen. Nicht alle Wiederholungsversuche waren seither erfolgreich, aber diesmal war es wirklich wieder ein großer Genuß!

ACHTUNG: Weiterlesen darf nur, wer bereit ist, eine 1-minütige Aufgabe zu erfüllen!

Wir erinnern uns: beim Kindergartenfilm besteht die Herausforderung für Filmemacher darin,

  • ohne Sprache
  • in unter 10 Minuten
  • für Leute ohne Vorkenntnisse
  • eine interessante, schöne, spannende und evtl. sogar noch lustige Geschichte zu erzählen,

ein sehr anspruchsvolles Unterfangen, und ich würde nach wie vor gern sehen, wie ein paar hochgelobte Regisseure von Erwachsenenfilmen sich dabei schlagen.

Den Anfang machte ein neues Filmchen über „Simon’s Cat“, wie erwartet sehr lustig, ein Schenkelklopfer für 5-jährige und 50-jährige gleichermaßen, das muss man erstmal hinkriegen. Dann kamen drei lustige 2-Minuten-Filmchen über Lily, die sich die Zähne putzt und dabei das Bad in ein Schlachtfeld verwandelt,usw. – das war auch sehr nett und die Kids haben sich eindeutig wiedererkannt. Die  tollen Strichmännchenzeichner von 2011 waren auch wieder dabei, diesmal turnten ihre Strichmännchen in einem Buch herum und fielen in dicke schwarze Bleistiftlöcher. Ganz prima! Fürderhin war da ein sehr schön gezeichneter Film über ein winziges Mädchen und einen winzigen Fuchs, und über eine Handvoll Zaubersamen, die alles mögliche (auch den Fuchs) zum Wachsen bringen. Der einzige Film mit Menschen drin war o.k., aber die Geschichte des kleinen koreanischen Mädels, das sich zwischen der koreanischen Oma und dem amerikanischen Ferienlager zurechtfinden muss, war doch deutlich abstrakter als die anderen.

Der Höhepunkt war aber eindeutig Nina, ein animierter Film aus Belgien, der eine bisher ungesehene Technik aus Acrylmalerei verwendet. So, und hier jetzt die Aufgabe: Ihr MÜSST Euch den Filmausschnitt HIER anschauen! Sowas Schönes habt Ihr selten gesehen, ich schwöre! Nicht nur schön, auch sehr athmosphärisch: die Erinnerung an einen endlosen Nachmittag am Meer soll der Film wachrufen, sagte die Filmemacherin im Anschluss. Dafür wurde jedes dramatische Element aus der Geschichte entfernt. Erkennt jemand das Problem? Das mit den Erinnerungen funktioniert nur bei Leuten, die eine nennenswerte Sammlung von verschwommenen (Urlaubs-)Erinnerungen haben! Bei 5-jährigen sehe ich da ein eklatantes Defizit… Also,  programmtechnisch war das eine Fehlkonstruktion. Aber für 50jährige ist der Film ganz wunderbar!

Der nette junge Mann mit dem Dutt, der uns in den letzten Jahren als Moderator so positiv aufgefallen ist, war heute leider nicht gut drauf,wirkte gestresst, hat zu viel gelabert und war nicht wirklich kindgerecht. Schade.

2 Kommentare

  1. micha

    Aufgabe mit Genuss erledigt. Danke, hat mir sehr gut gefallen.

  2. maxuta

    Danke, dass Du so nachdrücklich animierst, die Kinderkurzfilme ins Kalkül zu ziehen – das waren sie zwar etwas und das winzige Mädchen und der winzige Fuchs haben mich dieses Jahr schon sehr angemacht. Aber die Aufgabe war scheints noch nötig!