Una femmina

Es gibt einen Vorspann, in dem Regisseur Francesco Costabile ein paar Worte zum Film Una femmina sagt: dass er allen Frauen gewidmet ist, die rebellieren. Es ist schön, dass es diesen Vorspann gibt, aber er ist schon ein schwacher Ersatz für die Q&A nach der Vorstellung.

Der Film beginnt, als Rosa noch ein kleines Mädchen ist. Ihre Mutter verspricht ihr, an einen schönen Ort zu gehen, doch dann ist sie tot. Wie das kleine Mädchen versteht auch die Zuschauerin nicht ganz genau, wie sie gestorben ist. Selbstmord, wie später behauptet wird, war das jedoch nicht. Viel später stellt sich heraus, dass es genau das war, wonach es aussah.

Rosa wächst bei Verwandten auf: dominante Großmutter Berta, Onkel Salvatore, dessen Frau Rita und Sohn Natale. Es sieht nach kleiner Landwirtschaft aus. Es gibt Ziegen, Rosa melkt, die Frauen machen Käse und kochen Tomatensoße ein und verkaufen Ihre Produkte im Ort. Rita gibt Rosa recht, dass Salvatore nicht nur den Sohn, sondern alle verdirbt, aber eigentlich sprechen die Frauen wenig miteinander. Ob Männer auch so etwas wie Arbeit nachgehen, wird nicht gezeigt. Bei Nacht machen sie irgendwelche Geschäfte, denen Rosa auf die Spur kommt. An ihre Mutter erinnert sie sich kaum, aber sie träumt und spürt Bruchstücken von Erinnerungen nach. Sie lernt den jungen Totengräber Gianni kennen, und hofft mit ihm auf die Perspektive auf ein anderes Leben. Aber je mehr sie über die Verwicklungen ihrer Familie in kriminelle Strukturen herausfindet, und je heftiger sie dagegen aufbegehrt, desto bedrohlicher wird die Situation.

Es kommen interessante Lieder – Gianni kann toll singen und ganz großartig singen die vielen Frauen bei der Beerdigung. Außerdem seltsames Brauchtum: Ein mit Schmuck behängter Baumstumpf mit ein paar Wurzeln dran, den man ins Haus einer jungen Frau schickt, ist offensichtlich ein Heiratsantrag. Gefragt wird der nächste männliche Verwandte, aber wenn das ein Taugenichts ist, wird der Antrag auch mal von der Großmutter angenommen. Berta ist eine interessante Figur, die einerseits an den Verhältnissen verzweifelt, andererseits aber auch mit dem System kollaboriert.