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Berlinale 2026 – Frust schon bevor es losgeht… oder: Abschied auf Raten

Berlin taut langsam wieder auf: die dicken Eisschichten auf dem Potsdamer Platz sind nur noch an wenigen Stellen spiegelglatt; anders als die Pfützen, unter denen es noch gefährlich gefroren ist. Warum wir das wissen? Filminteressierte Berliner:innen haben am Potsdamer Platz ja eigentlich nichts mehr verloren, seit die zum Trocken-Wohnen vermieteten Film-Standorte am Potsdamer Platz nach gelungener Bau-Abschreibung wegen absurder Miet-Vorstellungen aufgegeben werden mussten…

Gestern holten wir uns dort das gedruckte Berlinale-Programm, denn die Berlinale-Verwaltung, der Berlinale-Palast und ein Berlinale-Kino sind ja immerhin noch dort… und anders als die vielen Online-Begeisterten finden wir weiterhin im Gedruckten Anderes: wir sehen lesen bemerken Anderes.

Über die letzte Woche wuchs die Vorfreude auf die jährliche Weltreise beim Online und Analog Lesen – um dann (wieder mal) jäh beim Erstkontakt mit der frustrierenden Ticket-Beschaffung im allertiefsten Keller zu landen…
Was hätten wir so gern die Kassen-Schlangen zurück, denn dann gäbe es wenigstens Gesellschaft bei der Frustbekämpfung und Gelegenheit zum Umsteuern statt des einsamen Bildschirm-Aktualisierungs-Technik-Cookies-Frust und überraschende Gespräche und Infos!

Was war passiert? Das 10-Uhr-Button-Spiel erfolgreich bestanden, die gewünschten Karten im Eventim-Postfach, das natürlich tags zuvor auf Funktionstüchtigkeit geprüft war… und dann ist angeblich das hinterlegte Zahlungsmittel nicht gültig… nämlich: im letzten Sommer bekam die Kreditkarte eine neue Laufzeit… und die lässt sich nicht im Bestell-Prozess aktualisieren sondern nur vor dem nächsten Bestellprozess durch Löschen des hinterlegten Zahlungsmittel und neu eingeben… So wächst innerer Abstand zum angeblich so publikumsgetriebenen Festival.

Der nächste Frust betrifft die „geniale Geschäfts-Idee“, alle Wettbewerbsbeiträge auch in der Uber Eats Music Hall ab dem ersten Verkaufstag anzubieten – einer Halle, die den Namen eines letztjährigen Haupt-Sponsor trägt, der sich um die Deregulierung des Taxi-(!) und Liefer-Markt verdient macht mit Dumping-Preisen, Aushebelung von Arbeitnehmerrechten bis hin zu Lohndiebstahl, illegalem Lobbyismus, Unterlaufen von Kontrollen und Gesetzen.
Damit werden nun in diesem Jahr einem Unternehmen Einnahmen für 2.000 Plätze pro Veranstaltung (!) zugespielt, das nicht mal Sponsor geschweige denn Haupt-Sponsor ist. Und das ein evangelikal-konservativ-homophober US-amerikanischer Milliardär aus einer Öl-Dynastie aus Denver bzw Kansas mit wolgadeutschen Wurzeln besitzt. Einer der weltgrößten Veranstalter; Sport: ua Eisbären Berlin, Musik: ua Michael Jackson, Immobilien: ua Uber Eats Arena – also genau mit diesen Themen, die er ideologisch bekämpft, viel Geld verdient ?!?

Nicht mit uns… und vermutlich auch bald mit immer weniger Berlinale, wenn das so weitergeht :-((( Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass, haben wir wahrlich genug in der Welt – da brauchen wir nicht auch noch für die vielen weltoffenen Beiträge im Berlinale-Programm, dass sie für Brot und Spiele umgewidmet werden zu dukatenscheissenden Goldeseln… so schaffen wir Homophobie, Rassismus, Gier und Machtspiele bestimmt nicht aus der Welt!


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3 Antworten zu „Berlinale 2026 – Frust schon bevor es losgeht… oder: Abschied auf Raten“

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