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Cesarean Weekend

Cesarean Weekend ist ein Männerfilm. Regisseur Mohammad Shirvani erzählt, dass er mit den Dreharbeiten kurz nach der „Frau-Leben-Freiheit-Bewegung“ anfing. Er sagt, er wollte ursprünglich etwas über die starken und mutigen Frauen machen, die diese Bewegung getragen hätten. Dann sei er aber wieder davon abgekommen. Stattdessen ginge es ihm in seinem neuesten Werk um das Leben der Mittelklasse, und darum, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen privatem und öffentlichem Leben gibt. Soweit so plausibel.

Es beginnt mit einer Party, mehrere junge Frauen in Party-Outfits tanzen, rauchen, singen ausgelassen mit. Milad geht mehreren von ihnen sehr auf die Nerven, ich kann ihn von der ersten Minute an nicht ausstehen. Sein Freund Armin liegt nur langweilig auf dem Bett rum und lässt sich sehr bitten, sich doch auch mal ein wenig zu vergnügen. Das Ganze zieht sich. Die ersten im Publikum verlassen den Saal.

Nächster Tag – Poolszene (laut Titus die beste Szene des Films). Die Väter von Milad und Armin schwimmen im Pool. Junge Frauen sitzen am Rand. Die Väter philosophieren über das Thema weggegangen sein, nutzlose Söhne – so ganz genau weiß ich es nicht mehr. Die Söhne kommen dazu und es wird gestritten. Eine Frau sagt auch mal was.

Die Jungmänner tollen wie die Kinder barfuß und in Badehosen über die Wiese, umarmen Bäume und einander, jagen Schafe, kullern über den Strand und sprechen bedeutungsschwere Sätze.

Dann baden auch die Väter im Meer. Ein Hut schwimmt weg.

Während der Q&A hatte mich der Regisseur zuerst fast wieder eingefangen. Mit seinen lustigen Beobachtungen, wie viele Personen während seiner Filme wo den Saal verlassen haben. Als er dann sagt, dass Arthouse-Kino keinen Massengeschmack treffen könne, bin ich noch dabei. Dass er aber unterstellt, internationales Publikum würde halt konventionelles iranisches Kino mit Geschichten aus einem traditionellen, ländlichen Iran erwarten, bin ich doch ein wenig eingeschnappt. Womöglich meint er ein vom Regime abgesegnetes Kino – aber das bekommt ein Festivalpublikum doch gar nicht zu sehen, da unterschätzt er die Programmauswahl der Berlinale in den letzten Jahrzehnten sehr.

Einen Tag später merke ich: The private life of Iranian middle class war mir weder besonders neu noch überraschend, und für diesen Film war ich definitiv nicht Zielgruppe.


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