Fremde Weltgegenden zu erkunden ist ja ein Hauptzweck der Berlinale, und in diesem Film war ich gefühlt in der fremdesten Gegend dieses Jahr – sogar noch fremder als in Lagos, Nigeria: nämlich in Pahokee, Florida, USA. Dieses Land ist mir völlig unbekannt. Man spricht dort eine Sprache, die ich nicht mal mit Untertiteln verstehe. (Also: ich kann die Untertitel lesen, aber verstehe nicht, was damit gemeint ist.) Das Englisch/Naija-Gemisch aus Nigeria war gut verständlich dagegen. Dieses unbekannte Land muss ziemlich arm sein, die Leute wohnen da in so einer Art Baracken zwischen Schrotthaufen, nur die Autos sind ordentlich, und sie leben unter anderem von kleinen Pelztieren, vermutlich Karnickeln.
Es gibt dort interessante Sitten und Gebräuche, z.B. werden Geburtstage oder auch Todesfälle mit zeremonieller Kleidung begangen (alle tragen die gleichen, selbst gestalteten T-Shirts).
Die Menschen, die wir dort kennenlernen, sind junge schwarze Männer, und es geht um das Vater-sein, das für sie kurz bevor steht oder gerade begonnen hat, und wie sie damit umgehen. Ich kann mich nicht erinnern, je einen Film über junge Väter gesehen zu haben, das war insofern auch fremd und interessant. Die Verbindung zum namensgebenden Gedicht über die Motte und die Flamme musste ich mir allerdings erst im Interview mit dem Regisseur erklären lassen: Es handelt sich um ein Sufi-Gedicht (!) aus dem 12. Jahrhundert (!) und es soll aussagen, dass man sich einer Sache erst ganz hingeben muss (Vater sein oder als Motte im Licht verbrennen), bevor man wirklich etwas darüber weiß.
Ich dachte, es ist gemeint, dass wir Zuschauer*innen nicht glauben sollen, wir wüssten wirklich etwas über die Leute im Film, nur weil wir ihnen 98 Minuten lang zugeguckt haben. War wohl so nicht gedacht, aber ganz falsch ist es auch nicht.

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