Kurzfristig ergatterten wir doch noch Karten für die Panorama-Eröffnung und durften einer Weltpremiere beiwohnen mit der denkwürdigen Ansage der Regisseurin Danielle Arbid vorm Screening: der Film sei als „Mittelfinger ins Gesicht von Faschisten“ gedacht!
Der Film löst dieses Diktum auf eine berührend zarte, harte, vielschichtige, klarsichtige und intelligente Weise ein; mit vielen Rückgriffen auf die Filmgeschichte und beeindruckenden schauspielerischen Leistungen und Beteiligten.
Um nur zwei zu nennen: Hiam Abbass… uns bleibend in Erinnung, unter anderem aus Paradise Now und Lemon Tree; sie ist auch noch im Wettbewerb zu sehen: À voix baisse; war 2007 Jurymitglied der Berlinale, 2012 in Cannes, seit 2018 für die Oscars. Und: Comedienne Shaden Fakih, die 2024 in ihrer libanesischen Heimat der Blasphemie bezichtigt wurde.
Es geht um allgemein-menschliche Themen: den immer härter werdenden Kampf ums alltägliche Überleben. Um Liebe, Verbundenheit, Heimat. Um die allgegenwärtige Bigotterie und Gewalt. Ums Mensch-Sein. Und eine Liebeserklärung der Regisseurin Danielle Arbid an ihr untergehendes Heimatland: einen Libanon, der grad zerbombt wird und dessen Zivilgesellschaft sich zunehmend auflöst.
Im erfreulich kundig geführten Filmgespräch wurde zum Thema, dass der Film nicht im Libanon sondern in Studios in Frankreich gedreht wurde bzw. werden musste… um im besten Sinne „historisch“ sein zu können; deshalb auf jeden Fall auch was für Film-Technik- oder Konzeptions-Interessierte. Und der kluge Moderator, dessen Namen ich mir leider nicht merkte, fragte zurecht auch nach „Angst essen Seele auf“ von R.W. Fassbinder; Weiteres aus der Filmgeschichte ruft der Film auch noch in Erinnerung.
Alles in allem: eine Freude, damit eine Berlinale beginnen zu dürfen und eine Freude, diesen Cast & Crew auf der Bühne und im Gespräch zu erleben!
Es wurden nur garkeine echten Publikums-Fragen gestellt…

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