Ziemlicher Hardcore. „Have you ever grieved for a person who hasn`t died yet?“ Die Regiseurin tut das in quälendem, sehr persönlichem Close-up. Über sechseinhalb Jahre hinweg filmt sie die Beziehung zu ihrem Bruder, der schwer alkoholabhängig ist und die meiste Zeit auf der Straße oder in Abbruchhäusern lebt (es handelt sich dabei um den goldigen Jungen vom Filmplakat). Abhängigkeit von diversen Stoffen zieht sich durch die ganze Familie, auch die Väter und die beiden Cousins sind schwerst vom Alkohol gezeichnet. Der Film war Teil eines therapeutischen Prozesses, der die Regiseurin zeitweise an den Rande des Suizids und in die Psychiatrie brachte. Es geht auch um die sozialen und physiologischen Ursachen von Sucht. Am Ende gibt es Hoffnungsschimmer, wenn auch nicht für alle Beteiligten.
Filmisch gab es diverse verfremdende Effekte, die süßen Kinderfotos der Protagonist*innen wurden mit einfacher KI animiert und erzählten ihre Geschichte auf amerikanischem Englisch. Es gab eine sprechende Taube und assoziative Bilder und Titel. Sehr guter Film! Aber so viel sehr persönliche Geschichte so dicht gezeigt – das war mir teilweise fast ein bisschen unangenehm. Der Regiseurin aber nicht, sie trat am Ende sehr lebendig auf die Bühne und beantwortete offen und freundlich allerhand sehr persönliche Fragen.

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