Unsere merkwürdigen Ferien

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Unsere merkwürdigen Ferien (zhe ge jiaqi tebie chang) von Li Hong spielt in Shaoxing, wo es wirklich wunderschön ist: alte Hofhäuser direkt an den Kanälen, Boote, die mit den Füßen gerudert werden, und die als Taxi dienen, eine Opernbühne mitten im Ort, wo nachmittags ältere Herrschaften den Darbietungen zusehen. Es macht also schon deshalb viel Freude, den Film anzuschauen, weil die Bilder so schön sind. Die Geschichte ist viel netter, als ich nach der Beschreibung gedacht hätte: drei Jungs ärgern einen alten Mann, kippen seinen Angeleimer um, machen seine Angel kaputt und stoßen beim Versuch, ihren vergessenen Fahrradhelm zu holen alle vier mit den Köpfen zusammen. Der Mann bleibt ohnmächtig liegen, die Jungs hauen ab und haben ein schlechtes Gewissen. So viel stand im Programm.
Interessant wird es eigentlich erst, als sie von Panxings Onkel dem Arzt erfahren, wer der alte Mann ist und welche Folgen der Zwischenfall hatte: er ist der Großvater von Youyou, einem niedlichen kleinen Mädchen, das keine Eltern mehr hat, und er leidet seit jenem Nachmittag an Gedächtnisverlust und ist auch sonst ziemlich durchgedreht. Youyou muss sich also um den Großvater kümmern und kann nicht mehr zum Musikunterricht gehen. Weil sie Youyou mögen, helfen die Jungs ihr den Großvater zu betreuen, obwohl sie große Angst haben, dass er sich plötzlich erinnern und sie der Polizei übergeben könnte – er war wohl selber mal Polizist oder vielleicht auch nur Koch in der Polizeikantine. Dieser Konflikt ist lustig ausgearbeitet, mit Krankenhausbesuch, Opernbesuch, halbherzigen Versuchen, der Erinnerung auf die Sprünge zu helfen und einer schönen Haarwaschszene. Erst ganz zum Schluss wird der Film etwas sehr pädagogisch, wenn sie alles gestanden haben, sich danach wie „richtige Männer“ fühlen und sich gegenseitig versichern, sich ab jetzt immer so verhalten zu wollen.