Wieder mal ganz tolle Menschen kennen gelernt…

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…habe ich gestern in Frauenzimmer . Es mag verwundern, aber nach dem Film stand eine Frau auf und sagte, vielen Dank, der Film hätte ihr solchen Mut gemacht. Und ich verstehe genau was sie meint. Wenn Lebensgeschichten möglich sind, in denen eine kleine, etwas unscheinbare aber ganz reizende Frau nach über 20 Jahren Eheleben und manisch-depressiver Erkrankung sowie 2 Kindern, mit 49 (!) Jahren sich selber beibringt, wie ein Orgasmus geht ("weil ick nicht locker jelassen habe, weil ick det einfach wissen wollte"), wenn sie sich danach scheiden lässt und mit so vielen Männern wie möglich schlafen will, um das neu eroberte Terrain in Besitz zu nehmen, und sich wie ein Kind freut, dabei auch noch Geld zu verdienen. Wenn ihre Krankheit (dadurch?) verschwindet und ihre Kinder und Enkel sie trotzdem respektieren und unterstützen. Und wenn sie dann auch noch einen neuen Freund findet, der im Nebenzimmer Kopfhörer aufsetzt, wenn ein "Gast" da ist, und der sie am Schluss, mit 59, heiratet – wenn solche Lebensgeschichten möglich sind, dann ist alles möglich. Das doch wie im Märchen, oder?
Die andere Frau – sehr warmherzig, sympathisch und handfest, sagt, sie sei ein "Stehaufmännchen" – und ihr sonniges Gemüt therapiert sie sich selber gesund, mit Splatterfilmen, weil im Vergleich mit denen ihre eigenen Erlebnisse (9 Jahre DDR-Knast, Gewalt, Vergewaltigung, tragische Liebesgeschichten) auf einmal "harmlos" wirken.
Wieder einmal (wie auch bei "La bocca del lupo") stitzt man mit offenem Mund im Kino und kann nur wieder staunen, wie unendlich viele Geschichten und Schicksale es auf der Welt gibt – und manche machen eben Mut, auch wenn alle äußeren Umstände dagegen sprechen.