Am Samstag hatten wir „Mainstream-Tag“. Das klingt ein bisschen gemein, aber Mainstream muss ja nicht unbedingt schlecht sein, so ein bisschen konventionelles Kinovergnügen macht schon auch Spaß. Good Luck, Have Fun, Don’t Die von Gore Verbinski lief in der Reihe Berlinale Special Gala und war genau das Kino-Spektakel, das zu erwarten war, unterhaltsam und durchaus originell.
Ein Zausel aus der Zukunft versucht – zum 117. Mal – die Gäste eines Diners zu einem abenteuerlichen Kampf gegen eine KI zu motivieren/nötigen, deren Aktivierung unmittelbar bevorsteht. Diejenigen, die sich zu dieser Mission überreden lassen, haben durchaus Gründe, ein wenig technologiekritisch zu sein: Da sind die beiden Highschool-Lehrkräfte Janet und Marc, die vor einem Teenie-Zombie-Mob geflüchtet sind – nachdem Marc mehr oder weniger aus Versehen einer Schülerin auf den Handy-Screen getippt hatte. Susan’s Sohn ist bei einem School-Shooting umgekommen, und sie tut sich sehr schwer mit dem Klon-Ersatz, den die Regierung subventioniert. Die Optik kommt schon gut hin, aber charakterlich ist er eben ganz und gar nicht der Alte. Außerdem konnte sie sich nur das günstige Modell mit Werbung leisten – nur einmal am Tag und nur Produkte, die auch für sie interessant sind. Die Frau im Prinzessinnenkleid bekommt von Handys und WLAN Nasenbluten und war bei den früheren Missionen nie dabei – warum wohl nicht?
Das Ganze ist dann doch irgendwie wie ein Computerspiel, bei dem der Spieler – der Zausel aus der Zukunft – dieses Mal viel weiter kommt als die letzten Male. Aber ist dann wirklich alles gut? Natürlich nicht!
Durch ungeschickte Planung mussten wir dann schon während des Abspanns loslaufen, um den zweiten Film zu sehen: Staatsschutz von Faraz Shariat. Der hat inzwischen den Panorama Publikumspreis bekommen – und ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau, warum.
Das Thema ist spannend: Die junge Staatsanwältin Seyo Kim wird Opfer eines rassistischen Anschlags und stellt fest, dass der Oberstaatsanwalt und mit ihm fast die ganze Behörde nicht nur auf dem rechten Auge blind, sondern selbst stramm rechts sind. Sie ermittelt unerlaubterweise und stellt den eigenen Fall in Zusammenhang mit anderen, die früher unter den Teppich gekehrt wurden. Der Film ist nicht schlecht, aber halt nicht das, wofür ich zur Berlinale gehe. In Sachen „so noch nie gesehen“ wirft er nicht so richtig was ab.

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