Adams Äpfel

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Nett, hatte Barbara gesagt. Ich habe überhaupt nichts gegen das Wort nett, aber in diesem Fall hat es mich Adams Äpfel von Anders Thomas Jensen sehr unterschätzen lassen. Die Geschichte klingt erstmal furchtbar absehbar: Der böse Neonazi Adam muss gemeinnützige Arbeit bei Pfarrer Ivan leisten. Adam soll sich eine Aufgabe suchen und gibt an, einen Apfelkuchen backen zu wollen, der Pfarrer akzeptiert. Die Zuschauerin nimmt erstmal an, dass er sich zunächst gegen die guten Absichten des Pfarrers sträuben, aber am Ende dann doch ein besserer Mensch werden wird.

Der Haken ist nur, dass der Pfarrer reichlich deneben ist – sein positives Weltbild hält der Realität nicht mal bei oberflächlichstem Hinschauen stand: seine anderen beiden Schützlinge Gunnar und Khalid sind kein bisschen geläutert, der eine säuft, der andere raubt Tankstellen aus. Auch die Pflege des Apfelbaums erweist sich als schwerer als vermutet.

Der Kampf, den Adam mit Ivan aufnimmt, geht darum zu beweisen, dass Gott eben nicht auf unserer Seite ist, und das macht die Geschichte dann doch wieder so interessant, dass über längere Strecken gar nicht mehr klar ist, wo der Film denn nun hin will – mit Läuterung ist jedenfalls nicht mehr zu rechnen.

Dabei ist der Film auf eine ganz böse Art sehr, sehr lustig. Damit Ralph nicht wieder schimpft, will ich nur eine Lieblingsszene nennen, ohne die Pointe zu verraten: als Adam sich eine Waffe besorgt, um mit der Krähenplage im Apfelbaum fertig zu werden, aber nicht dazu kommt, auch nur einen Schuss abgzugeben. Und die, als Khalid sich kein bisschen vor der Übermacht der Neonazis fürchtet – sehr wunderbar. Toll ist auch der fiese Arzt mit seiner durchaus schockierenden Ausdrucksweise. Ein großartiger Film, gleich nominiert für meine Lieblingskategorie: so noch nie gesehen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ralph

    Danke schön 🙂

    Woody Allens „Scoop“ habe ich gestern gesehen. Es ist ein typischer Woody Allen der letzten Jahre. Amüsant, witzig, aber belanglos. Eine leicht durchschaubare Geschichte, ohne Höhen und Tiefen.
    An einem regnerischen, kalten Sonntag Nachmittag in 5 Jahren würde ich mir „Scoop“ nochmals ansehen.
    Rebrik: Gesehen und bad vergessen.
    Schön war es High Jackman wieder einmal als guten Schauspieler zu sehen.

  2. Berlinaleblog

    Wir wollten Goyas Geister im Neuen Off sehen, da wurde aber wegen Programmänderung Casino Royale gespielt. Ich war nicht sicher, ob ich den wirklich sehen wollte, aber dann hat er mir richtig gut gefallen. Ein blonder James Bond (Daniel Craig – geht das ü

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