Veer-Zaara

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…der dreistündige Bollywood-Film über eine Liebe, die nicht sein darf zwischen einer Pakistani und einem indischen Helikopterpiloten, war schon ein Knaller. Irgendwie hat man nach so einem Film das Gefühl, dass wir Kunst-Kino-Gänger uns mit unseren kleinen, stillen Geschichtchen, den subtilen, ruhigen Bildern, der dokumentarisch zurückhaltenden Kamera etc. einfach auch ziemlich viel versagen. Ein junger Mann, der auf seine einzige Liebe verzichtet, damit seine Geliebte einen anderen heiraten kann, damit ihr Vater nicht an gebrochenem Herzen stribt; der dann 22 Jahre lang unschuldig im Gefängnis ausharrt, weil er mit der Wahrheit ihr Lebensglück zerstören würde – DAS sind doch Geschichten! Dass sie jedoch währenddessen glaubte, er sei tot, und daraufhin mitnichten eine ehrsame Ehe führte, sondern ihre Familie verlies, um 22 Jahre lang in seinem Heimatdorf zu arbeiten, OHNE ihn – DAS ist doch wahre Tragik! Und alles bunt, rhythmisch und ohne umständlichen Umweg über Subtext: Es wird das gezeigt, was gemeint ist, basta. Das hat doch was! Und darüber hinaus eine Message für Menschlichkeit, Versöhnung und Gleichberechtigung. Was will man mehr? Und was das Tollste ist: es hat funktioniert, auch beim Dokumentarfilm-Fan mit dem ethnologischen Blick – ich gestehe einige Tränen. Es hat total Spaß gemacht! Der Film war schon lang, das stimmt, aber das wäre nicht schlimm gewesen hätte man uns, wie im Drehbuch vorgesehen, die wohlverdiente Pause gegönnt.

Im Anschluss an den Film wurde eine „Special Evening“ mit Sharukh Khan, dem männlichen Star des Films, beworben, an Ostern in einem Hotel in Frankfurt: die Kartenpreise liegen zwischen 175 und 325 Euro pro Stück. DAS sind doch Stars! DAS sind doch Fans!…. Wer Sharukh Khan umsonst bewundern will, kann das am Mittwoch, 23.2.05 um 22.45 Uhr auf Arte in „Von ganzem Herzen“. Ich bin bestimmt dabei.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. uta

    Auf Michas Tipp mit den 10 Jahren hin habe ich erstmal – statt mich auch ans Über-Filme-Schreiben zu machen – in den Annalen geblättert und gerade gerührt festgestellt, daß DU Veer-Zaara ja auch so begeistert zur Berlinale gesehen hast… bei Lust auf Wiedergucken: die DVD ist bei uns vorhanden, quasi als exemplarisches Beispiel für Bollywood-at-its-best. Und zu damals habe ich noch nach- oder beizutragen: nach dem Film kam der sehr soignierte Regisseur, ein älterer und sehr unserem Bild eines vornehmen Inders entsprechender Herr, mit seiner Produzentin und Ehefrau (im klassischen und sehr schönen Festtags-Sari) zum Filmgespräch. Er sprach unter anderem sehr lobend von der Arbeit seiner Frau und ihren Talenten – und kündigte an, daß sie uns ein klassisches indisches Lied als Dank singen werde. Und dann hat sie ohne viel Umschweife vor einem etliche hundert umfassenden Publikum die Stimme erhoben – ein beeindruckendes Erlebnis, eine beeindruckende Person, eine Dame!

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