Fogaréu

Fogaréu beginnt mit einem Fackelzug. Gestalten in Kukluxklan-artigen Kutten marschieren zu martialischen Trommelklängen. Fernanda bewegt sich dem Strom entgegen, es wirkt bedrohlich. Einer, der am Rand sitzt, nimmt die Kapuze ab und weist ihr überraschend freundlich den Weg zum Haus des Bürgermeisters. Woher weiß er, dass sie dorthin will?

Der Bürgermeister ist ihr Onkel. Ihr Cousin ist einer der Vermummten, als sie ihn fragt, ob er jetzt dem Kukluxklan beigetreten sei, lacht er, und sagt, das sei doch nur Brauchtum. Fernanda ist zurückgekommen, um die Asche ihrer Adoptivmutter zu verstreuen, damit ist sie nicht gerade willkommen. Bei sehr unentspannten Mahlzeiten mit der Familie wird der Rahmen abgesteckt: Es gibt sehr viele “Fools“ im Ort, behinderte Menschen, aber warum? Die Tante sagt, es liege daran, dass das von Nonnen geführte “Asyl“ im Ort ist. Leute legen Neugeborene in eine Babyklappe, viele werden dann von den barmherzigen ansässigen Familien adoptiert. Das läuft aber nicht immer so wie bei Fernanda, die wirklich von ihrer Adoptivmutter aufgezogen wurde. Viele leben einfach als Sklaven in der Adoptivfamilie, wo sie ihr Leben lang unbezahlt arbeiten und auch mal an die erwachsenen Kinder weiterverschenkt werden, wenn die ausziehen – wie in der Onkelfamilie, wo zwei Frauen leben. Luzia, im Alter von Fernandas Mutter wird immer noch “Missy“ genannt.

Von einer Novizin des Asyls erfährt Fernanda, dass es auch vorkommt, dass illegitime Kinder von den Familien selbst in die Babyklappe gelegt und dann zurück adoptiert werden. Nur die, die niemand will, bleiben im Asyl. Es geht außerdem um die Wiederwahl des Bürgermeisters, um seinen Konflikt um Wasser mit einer dort ansässigen indigenen Gruppe, um eine faszinierende, mit der ganzen erschreckenden Familienchronik bestickte Decke, eine Abreise im richtigen Moment und um Magie.

Regisseurin Flavia Neves erzählt die Geschichte ihrer Mutter, wie sie im Vorabvideo sagt. Es ist ein toller Film geworden.