Zwei Filme über Familien-Zusammenhalt als Berlinale-Auftakt 2017

… und über Themen, über die ich bisher wenig wusste oder mir wenig Gedanken gemacht habe:

Belinda ist die Protagonistin eines Dokumentarfilmes, der Erwachsenwerden und Liebesbeziehung der Protagonistin begleitet, die in Kinderheimen aufwächst; mit Verwandten, die im Knast sitzen, Drogenprobleme haben oder kaum die Miete aufbringen können; die gegen ihren Willen von ihrem Vormund von ihrer Schwester getrennt wird und sich trotzdem anscheinend nicht von ihm hintergangen fühlt. Auch die Eltern, zu denen sie trotz allem eine innige und liebevolle Beziehung hat, haben eine tiefe Zuneigung und Verehrung zum Vormund Herrn Germsheimer aufgebaut. Immer wieder erlebt man Handytelefonate mit ihm mit, die ganz herzlich und zugewandt sind, einmal bedankt sich der Vater: sie haben meine Kinder aufgezogen.

Erst nach und nach schiebt sich ein Aspekt in den Film, der zum Ansatzpunkt für den ungewöhnlichen Zusammenhalt, die tiefe emotionale Bindung und die große Treue der gezeigten Personen zeitgleich mit ihren sozialen Problemen wird: (mehr …)

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Ciao Ciao – das Grauen wohnt auf dem Land

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Ein Zug fährt durch eine schöne Landschaft in Yunnan – die Erde ist rot, die üppigen Pflanzen sind grün, und das sind auch die immer wieder bedeutungsschwer eingesetzten Farben in Ciao Ciao von Song Chuan. Ciao Ciao (巧 巧 – müsste eigentlich in Hanyu Pinyin mit Q geschrieben werden und bedeutet „geschickt“) ist eine junge Frau, die aus Kanton aufs Land zu ihren Eltern zurückkehrt. Eigentlich will sie da so schnell wie möglich wieder weg.  (mehr …)

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Hostages

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Nach dem sehr schönen Film Blind Dates über den Lehrer auf Brautschau vor einigen Jahren steht Georgien auf der Länderliste bei mir ziemlich weit oben.  Daher auch meine Aufmerksamkeit für Hostages, einen Film aus Georgien über eine Flugzeugentführung, die im Jahre 1983 tatsächlich stattgefunden hat. Eine Handvoll junger Leute (Studierende der Kunsthochschule in Tivlis, aus gut situierten Familien) versuchte mit dieser Kamikaze-Aktion die Sowietunion zu verlassen und in den Westen zu gelangen. Das Ganze endete verheerend, mit mehren Toten. Fünf Jungs wurden zum Tode verurteilt, exekutiert und in der Pampa verscharrt, das Mädchen zu 15 Jahren Haft verurteilt. (mehr …)

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WEEKENDS – Chorfilm aus Korea

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WEEKENDS von Lee Dong-ha porträtiert den ersten südkoreanischen schwulen Chor G-Voice. Beinahe hätte ich mich von Uta noch vom rechten Weg abbringen lassen, weil das, was sie über die iranischen Mädchen schrieb, sehr spannend klang. Aber dann bin ich zum Glück doch mit dem bereits gekauften Ticket ins Kino gegangen, und das war eine sehr gute Entscheidung.

Lee Dong-ha war früher selbst Mitglied bei G-Voice (die Website ist nur koreanisch, Google-Translate macht genau nix), kennt den Chor also sehr genau. Der Film beginnt mit einer unglaublich schlechten Probe, die Sänger sind ziemlich selbstkritisch („we’ve practising for so long and still suck“), und die Zuschauerin wird erfolgreich in die Irre geleitet. Die können nämlich sehr wohl singen, und zwar Lieder ihres Chorleiters, der ihr Leben in Lyrics und Noten fasst. Das ist stellenweise sehr ergreifend, und ich war quasi ständig zu Tränen gerührt. Allerdings nicht nur vom schönen Gesang, denn was im Film auch viel Raum einnimmt: einer sexuellen Minderheit anzugehören, ist in Korea nicht leicht. Die Sänger erzählen aus ihrem Leben, von ihren Beziehungen, aber oft auch, dass ihre Eltern nicht wüssten, dass sie schwul sind, einer, dass seine Mutter verlangt, dass er es wenigstens geheim hält. Es sind einfach nur Aufnahmen von den Gesichtern, und sie machen sichtbar, wie sehr die durchweg jungen Männer unter Ablehnung leiden. (mehr …)

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The Bacchus Lady

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Youn So-Young ist eine Bacchus-Lady, die mit anderen Seniorinnen im Park den Energydrink Bacchus und sexuelle Dienstleistungen anbietet. Zielgruppe sind ältere Herren, die mal angenehme, mal weniger angenehme Kundschaft sind.…

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Die ultimative Filmkatze – Zona Norte

Die für mich bisher ultimative Filmkatze räkelt sich auf dem Schoß von Sabine Kossatz, einer Foto-Journalistin, die sich in den globalisierungs- und systemkritischen Kreisen Rio de Janeiros bewegt – und sich zu den Umbrüchen äußert, mit denen die Bewohner der Stadt durch die gigantischen Bau-Projekte für internationale Mega-Sport-Events zu kämpfen haben. Sie wird ebenso portraitiert wie die omnipräsenten Militärs in Strassenpanzern mit dem Finger am Abzug ihrer Schiessgewehre. Und wie die nimmermüde Gründerin des Projeto Uerê (U-Erê = Kinder des Lichts), einem Schulprojekt in einer der ärmsten Favelas der Stadt nahe beim Flughafen, mit dem den von Drogen, Gewalt, Armut und Obdachlosigkeit umgebenen Kindern ein sicherer Ort geboten werden soll. (mehr …)

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