Donnerstag, 24. Februar 2011
last but not least: die bärenvergabe von jo für 2011
mir gings blendend, ich finde ich habe, bis auf wenige ausnahmen, wirklich tolle filme gesehen
ein bär für den mittelmäßigsten film: fjellet
ein bär für das kunststück, die besten kamera-bilder mit den schlechtesten schaupielern zu verbinden: "folge mir"
ein bär für den anrührendsten spielfilm: "der kindheitserfinder"
beste filmtiere natürlich die schwarzen kuhaugen im "kampf der königinnen"
bewegendsde doku: "ballad of genesis and lady jane" & "we where here"
schönste und vom konzept her für mich stimmigste und interessanteste bildercollage: "day is done"
es hat mir ganz großen spaß gemacht mit euch zu schreiben, zu lesen, was ihr geschrieben habt, zu kommentieren! herzlichen dank dafür!!
Jiro Dreams of Sushi
den hätte ich auch fast vergessen, obwohl mir der alte sushi-meister jiro, der nachs sushi-rezepte träumt und jeden urlaubstag langweiliger findet, als sushi zu formen, sehr gut gefallen hat. an ästhetik war dieser film kaum zu übertreffen, schlichte klare bilder, musikalisch klassisch untermalt, tolle aufnahmen vom fischmarkt und raffinierte finger... eine lustige vor wonne "mmmmmmm" brummende essensgesellschaft... wenn ich doch nur fisch mögen würde ;-) und ein paar schöne weisheiten hat uns jiro auch noch mit auf den weg gegeben: als guter koch muß das sushi morgen grundsätzlich besser sein als das heutige!
kulinarisches kino ist ne tolle reihe, aber das sitzen auf den bauhaus-arztstühlen im martin-gropius-bau nicht gerade ein tolles berlinale-feeling!
Dienstag, 22. Februar 2011
Blaukraut und Rotkohl von Anna Hepp
der titel wird uns in der dem abspann nachgefügten sequenz erläutert, in der die beiden männer auf dem sofa die frage beantworten sollen, was nun eigentlich der unterschied sei zwischen rotkohl und blaukraut, sich dabei sehr amüsieren... es gibt nämlich keinen :-)
zwei türkisch-deutsche familien (einmal der mann, einmal die frau deutsch) mit entzückenden, neunmalklugen, frechen kindern, ein ganz normales chaos, lustige, spontane interviews zur frage nach integration und kulturellen unterschieden, religion, sprache führen uns auf charmante und unterhaltsame weise einen monat über durchs familienleben. die kleine emma ist toll, sie bringt ganz pragmatisch die vorzüge auf den punkt, grundsätzlich kann man immer wählen oder bekommt beides, das zuckerfest spricht für die muslimische, die langen haare, die ihr einfach besser stehen als ein kopftuch, für die christliche religion, zum glück muss sie sich ja noch nicht entscheiden, erst wenn sie 15, 18 oder 23 ist...
hakan ist auch große klasse, ein bischen was von "alter krass", viel humor, sehr sympatisch.. und die große sympatie rührt natürlich auch daher, daß der film in marl bei recklinghausen spielt, also im tiefsten ruhrpott, dieser trockene humor ist einfach unschlagbar... die sind sooo nett!
für mich eine sehr angenehme, offene, lustige art des dokumentarfilms, die einfach von ihren protagonisten lebt, mit denen die regisseurin -die hals über kopf planlos und mit feuereifer in das projekt gestolpert ist - eng befreundet ist, auch sie eine sympatische person aus´m pott!
mein letzter Berlinale-Tag
Toast:
genau, der war einfach nett, unterhaltsam, englisch, charmant... ein prima sontagsunterhaltung, wie ulla schon sagt! ich fands als abschluss sehr prima
und letztlich: "Im Himmel und unter der Erde"
und auch der braven friedhofsdoku kann ich dem beitrag von ulla nichts hinzufügen....... genau wie erwartet: naja, geht so, was für einen fernsehabend - richtig ulla - wieso bekommt sowas den publikumspreis? immerhin kam "we where here" auf platz 3, sonst hab ich ja auch fast nur forums-dokus gesehen. lokal-pluspunkt weil berlin? man weiß es nicht, ist vermutlich einfach eingängig und leicht zu verkosten ;-)
die kurzen hätt ich glatt vergessen
Berlin Shorts IV
"Fragen an meinen Vater" von Konrad Mühe ist ein zusammengeschnippeltes Sammelsurium an Filmausschnitten, die im weitesten - und wirklich nur im weitesten - Sinne das Thema "Vater-Sohn-Beziehung" anschneidet... es bleiben aber völlig allgemeingültige Abrisse, die so auch keinen erkennbaren Sinnzusammenhang transportieren, da hilft auch der wunderbare Vater Mühe nichts... ich hatte mir hier mehr erwartet
"Apele Zag - Silent River" aus Rumänien zeigt uns in düsteren Bildern die Flucht von angedacht 2 Freunden, die dann aber doch unabgesprochen zu dritt fliehen, denn die Freundin des einen Protagonisten ist schwanger... stille Panik und eine unheimliche Schwimmszene über einen stillen, schwarzen Fluss..
"Planet Z" aus Frankreich: ein lustiges Experiment von Macro-Aufnahmen wachsender und verrottender Gemüsen und sich ausbreitende Schimmelpilze im Zeitraffer, ein Planet wächst und vergeht - sehr apart
"La Calma" aus Peru: in den Trümmern wird ein Mann geborgen, wir sehen Szenen der Bergung im Wechsel mit Aufnahmen, in denen dieser durch die zerstörten Straßenzüge läuft und versucht, in sich zur Ruhe zu kommen...gelungen
"Pera Bergange" aus der Türkei: für mich der stärkste aus der Reihe, das Leben ehemaliger Landbewohner in der Großstadt, die Tristesse und Ausweglosigkeit, die Scheinbare Freiheit wird symbolisiert durch die Szene eines kleinen Jungen, der auf dem Markt lebende Tauben verkauft, denen die Flügel gestutzt sind, die damit nur ein paar Meter fliegen können, wenn sie symbolisch von den Käufern freigelassen werden, um dann wieder eingesammelt und von neuem verkauft zu werden... ein täglicher Kreislauf, so wie sich die alten Männer all-abendlich n einem Abrißhaus treffen, um sich bei Wasserpfeife und Alkohol zu betäuben und in den nächsten Tag zu retten.
Sonntag, 20. Februar 2011
Die Ulla-Bären
Nach einem verhaltenen Start gab es gegen Ende doch noch ein paar
echte Berlinale-Highlights. Die Bilanz: 25 Filme, davon 6 sehr kurze
(die Kindergartenschiene), und 4 mittellange. 7 Spielfilme, 11 Dokus, 1
Sonstiger (Day is done). Alle Filme in Forum und Generation, bis auf
eine Session in der Perspektive und eine im Panorama.
- Bester Sonstiger: Day is done
- Beste Spielfilme "Kindheitserfinder" und "Jess and Moss"
- Beste Doku: in diesem Jahr keine
(Wieland Speck meinte, die Dokus seien in diesem Jahr ganz stark gewesen - also meine nicht!) - Beste handpuppenmoderierte Doku: Kamakia
- Bester Thriller: "Führung"
- Bester Special Effect: der Flugzeugabsturz aus Perspektive der "Anderen" in Staffel 3 Folge 1 (-- Oops! - falsche Baustelle!)
- Fälscheste Entscheidung: "Traumfabrik Kabul" statt "The Kings
Speech" mit Herrn Firth im Friedrichstadtpalast. Konsequenz fürs
nächste Jahr: Mehr Mut zum Glamour
- Beste Entscheidung: Die Kindergartenschiene im FaF
- Schlechteste Filme: der schwedische Kindergartenfilm sowie (sorry, Micha und Barbara:) Life in a day
- Verlorene Filme (d.s. Filme, die man hätte sehen müssen, die aber
nun unwiederbringlich weg sind. Diese Filme werde ich ab jetzt in einer besonderen
"Verlorene Filme Kiste" sammeln): The Bengali Detective, Die
Kuhköniginnen; The Ballad of Genesis and Lady Jaye. (Bei letzterem sehe ich aber eine Kino-Chance.)
Was nehme ich mit ins LebennachderBerlinale? Einen Lesetipp (David Grossmann: Intimate Grammar, die Buchvorlage zum "Kindheitserfinder") und drei Lippenstifte.
Schön wars wieder, aber für mich eher ein schwacher Jahrgang. Tschüss, Berlinale! Bis zum nächsten Jahr!Der zweite und dritte Joker:
Die (neuerdings zwei) Panorama Publikumspreise. Joker heißt: man weiß nicht, was man kriegen wird.
Sparte Doku: "Im Himmel - unter der Erde: der jüdische Friedhof in Weißensee". Hier kriegte man einen braven und lehrreichen Film über besagten Friedhof, den man sich sehr gern im Fernsehn angesehen hätte, der aber für die Filmfestspiele ein bisschen vergeudete Zeit war. Sicher war hier der Lokalaspekt der Grund für das Abstimmungsergebnis.
Sparte Spielfilm: "Even the rain"- Tambien la Lluvia, den Stefan schon ganz hervorragend besprochen hat. Ich fand den Film eigentlich o.k., nur etwas
(naja: ziemlich) holzhammermäßig. Es sollte halt
jeder kapieren. Hat ja auch geklappt...
Drei Joker auf der Hand! - Eins
In Form von drei Cinemax 7 Karten: "Toast" aus England sowie die beiden Panorama Publikumspreise (Doku und Spielfilm)
"Toast" war genau das, was ich erwartet hatte: ein netter Nostalgiefilm übers Essen. Inhaltlich darf man allerdings nicht zu genau analysieren: im Grunde war der jugendliche Protagonist ein blasses Mittelklasse-Bübchen, das nicht damit zurecht kam, dass sein Vater nach dem Tod der sanften Mutter eine energische Proletin ehelicht, die zudem 100mal besser kochen kann, als die Verblichene. Deshalb benimmt sich der kleine Nigel (Slater, denn um den geht es hier), der Stiefmutter gegenüber ziemlich arschlöchig und versucht, sie kulinarisch auszustechen - der Beginn einer außerst erfolgreichen Karriere als (Fernseh-) Koch.
Aber der Film hat definitiv den charmantesten Vorspann des gesamten Festivals (alle Mitwirkenden säuberlich auf Gemüsedosen, Cornflakespackungen und Werbeplakaten gemalt), und wenn man sich gemütlich zurückgelehnt und das Gehirn ausgeschaltet hat (das darf man ja auch mal am Sonntag nachmittag), dann war er wirklich ganz nett.


