Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

25. Februar 2018
von micha
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Kaotični život Nade Kadić – Das chaotische Leben von Nada Kadić

Kaotični život Nade Kadić von Marta Hernaiz erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Nada, die mit den Widrigkeiten ihres Alltags kämpft: Tochter Hava wird mit einer Form von Autismus diagnostiziert, die Öffnungszeiten der Kita und Nadas Arbeitszeiten sind vollkommen inkompatibel, als Kassenpatientin muss sie Monate auf den Termin beim Arzt warten, das Amt bezuschusst Havas Behandlung nur, wenn eine Diagnose vorliegt, die gibt’s aber erst beim nächsten Termin, die Babysitterin sperrt sich und Hava aus der Wohnung aus… Der Ausflug zu Nadas Eltern im uralten roten Auto ihres Vaters verläuft dann auch ziemlich anders als geplant. Weiterlesen →

24. Februar 2018
von micha
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Ága – Yakutien im Schnee

Die erste Einstellung in Ága von Milko Lazarov bekommt im Haus der Berliner Festspiele spontanen Szenenapplaus, so schön ist sie: eine alte Frau in bunter Tracht mit knallrotem Lippenstift spielt minutenlang auf einer Maultrommel. Sie erzeugt die wundersamsten und unterschiedlichsten Töne, so etwas habe ich noch nie gehört (hier gibt’s ein Beispiel). Die Musikerin hat leider mit dem Film sonst nichts mehr zu tun, aber danach sind alle auf ferne Lande eingestimmt. Weiterlesen →

23. Februar 2018
von micha
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Sekala Niskala – The Seen and Unseen

Sekala Niskala, das Sichtbare und das Unsichtbare macht Kamila Andini im Kino sichtbar. Tantra und Tantri sind Zwillinge, und wenn ein Zwillingspaar aus einem Jungen und einem Mädchen besteht, steht das in Indonesien für Harmonie und eine besondere Verbundenheit. Sie braten sich ein Ei, das Tantra vom Opfertisch geklaut hat, Tantri bekommt das Weiße, Tantra das Gelbe. Aber dann ist Tantra schwer krank, und im Ei ist kein Dotter mehr. Weiterlesen →

23. Februar 2018
von micha
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Voller Berlinaletag

Ausgiebiges Frühstück mit Besuch im Café Meyan (sehr zu empfehlen), Friedrichstadtpalast, Cinemaxx, International, zu kurze Pausen dazwischen – komme gar nicht mehr zum Mitschreiben. Heute war mit drei sehr unterschiedlichen und großartigen Filmen ein voller Berlinaletag.

Khook von Mani Haghighi im Wettbewerb. Das ist eine sehr lustige Filmbusiness-Metaebenenen-Komödie oder so etwas: Regisseur Hasan hat Drehverbot, und muss Werbefilme drehen (wunderbar, das Kakerlakenballett, bei dem orange verkleidete Tänzerinnen eingenebelt werden und dann blauen Schleim – aus Österreich! – spucken und sterben, Werbung für Insektenspray, das bei der Auftraggeberin leider nicht sehr gut ankommt), seine Hauptdarstellerin und Geliebte läuft zu seinem Konkurrenten über, einem aufgeblasenen Schwafelkopf, außerdem werden Regisseure geköpft – zuerst Mani Haghighi himself, der bestimmt Spaß hatte, seine eigene Trauerfeier zu inszenieren. Hasan ist schwer gekränkt, weil der Killer ihn ignoriert,… Großartiges splatteriges Finale, viel Spaß! Weiterlesen →

22. Februar 2018
von micha
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High Fantasy

Vier junge Menschen machen einen Campingausflug, drei Frauen, ein Mann, drei schwarz, eine weiß. Ziel des Ausflugs ist eine Farm, das heißt, das riesige Land drum herum, das Lexis Familie gehört. Aber wem gehört das Land, wem sollte es gehören?

Happy Fantasy ist von Jenna Bass. Die vier streiten sich, mal ist es ein Konflikt zwischen schwarz und weiß, mal zwischen Frauen und Mann. Dann wieder haben sie Spaß miteinander, jede*r  performt etwas, Thami rapt, Xoli tanzt traditionell, Lexi spricht ein Gedicht in einer Sprache mit vielen Schnalzlauten, was Tatjana macht, habe ich vergessen. Und weil sie moderne junge Leute sind, dokumentieren sie alles mit ihren Smartphones.

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21. Februar 2018
von micha
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Opium – 1919 gab es keine Zensur

Die Einführung zu Opium durch die Leiter der Filmmuseen Düsseldorf und München, Stefan Drößler und Andreas Thein ist bereits ein spannender Teil des Abends. Der Film wurde in Zusammenarbeit der Museen rekonstruiert. Das war ein höchst schwieriger Prozess, denn es ist kein Drehbuch erhalten, so dass oft nicht eindeutig war, wie das Original genau aussah. 1919, als der Film entstand, gab es in Deutschland keine Zensur, die wurde aber bereits Anfang der 20er Jahre wieder eingeführt, so dass die danach gezeigte Fassung bereits gekürzt war. Das Ergebnis der Rekonstruktion ist jedenfalls großartig exotisch, opulent, und vor allem BUNT! Toll ist der Kontrast zwischen den wüsten, freizügigen Opiumträumen (durch transparenten Stoff sind nackte Brüste zu sehen!) und der strengen Moral der eigentlichen Handlung.

Der Film wird großartig live am Klavier begleitet von Richard Siedhoff.

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21. Februar 2018
von maxuta
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Monster Hunt 2 – globalisiertes Unterhaltungskino

… und „what comes after Walt Disney“. Es beginnt mit einer bollywoodesken Massen-Tanz-Szene und dieser Schwung, Dynamik, Tempo verlassen den Film bis zum Ende nicht. Immer mit einem komödiantischen Unterton im Stile von Shrek werden Personen- und aminimiertes Kino mit einem Feuerwerk aus Spezial-Effekten à la Monster AG, mit Plastic-Fantastic-Kino-Bauten (Wizard of OZ lässt grüßen) und aufwändigen Martial-Arts-Inszenierungen kombiniert:

Man nehme von jedem Unterhaltungs-Genre rund um die Welt eine kräftige Portion der zentralen Ingredienzien und lade sie mit ordentlich Animation auf – dann hat mans …

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21. Februar 2018
von maxuta
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Al Gami’ya – ein feministischer Blick in eine patriarchale Gesellschaft

 

Der Regisseurin Reem Saleh ist ein anrührender Einblick in fremde Frauen-Leben in einem patriarchalen Kontext gelungen und die Dokumentation von Lebenswegen ohne einen regelnden Staat. Sie kommentiert durch ihren feministischen Blick, ihre Parteilichkeit, ihr Mitgefühl.

Im lauten, dreckigen, verfallenen Kairoer Stadtteil Rod el Faraq – dem Heimatviertel ihrer Mutter in Kairo und nicht einem der ärmsten, wie sie im Filmgespräch kommentiert – begleitet sie vor allem die Frauen.

Sie sorgen für Essen, Wohnung, Kranken-Pflege und meistenteils auch das Einkommen. Sie haben die Verantwortung für die Kinder, sie handeln aus, streiten und vertragen sich. Sie versorgen, lieben, stützen und verlassen ihre Männer – und werden von ihnen zurückgeliebt, aber auch schlecht behandelt und verlassen.

Und Scheidungen scheinen von beiden Seiten auszugehen und initiiert werden zu können. Hätten wir das mit Ägypten assoziiert? Eine der Protagonistinnen heiratet den Vater ihrer Kinder dreimal…
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