Berlinaleblog

68. Berlinale, 15.-25. Februar 2018

22. Februar 2018
von micha
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High Fantasy

Vier junge Menschen machen einen Campingausflug, drei Frauen, ein Mann, drei schwarz, eine weiß. Ziel des Ausflugs ist eine Farm, das heißt, das riesige Land drum herum, das Lexis Familie gehört. Aber wem gehört das Land, wem sollte es gehören?

Happy Fantasy ist von Jenna Bass. Die vier streiten sich, mal ist es ein Konflikt zwischen schwarz und weiß, mal zwischen Frauen und Mann. Dann wieder haben sie Spaß miteinander, jede*r  performt etwas, Thami rapt, Xoli tanzt traditionell, Lexi spricht ein Gedicht in einer Sprache mit vielen Schnalzlauten, was Tatjana macht, habe ich vergessen. Und weil sie moderne junge Leute sind, dokumentieren sie alles mit ihren Smartphones.

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21. Februar 2018
von micha
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Opium – 1919 gab es keine Zensur

Die Einführung zu Opium durch die Leiter der Filmmuseen Düsseldorf und München, Stefan Drößler und Andreas Thein ist bereits ein spannender Teil des Abends. Der Film wurde in Zusammenarbeit der Museen rekonstruiert. Das war ein höchst schwieriger Prozess, denn es ist kein Drehbuch erhalten, so dass oft nicht eindeutig war, wie das Original genau aussah. 1919, als der Film entstand, gab es in Deutschland keine Zensur, die wurde aber bereits Anfang der 20er Jahre wieder eingeführt, so dass die danach gezeigte Fassung bereits gekürzt war. Das Ergebnis der Rekonstruktion ist jedenfalls großartig exotisch, opulent, und vor allem BUNT! Toll ist der Kontrast zwischen den wüsten, freizügigen Opiumträumen (durch transparenten Stoff sind nackte Brüste zu sehen!) und der strengen Moral der eigentlichen Handlung.

Der Film wird großartig live am Klavier begleitet von Richard Siedhoff.

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21. Februar 2018
von maxuta
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Monster Hunt 2 – globalisiertes Unterhaltungskino

… und „what comes after Walt Disney“. Es beginnt mit einer bollywoodesken Massen-Tanz-Szene und dieser Schwung, Dynamik, Tempo verlassen den Film bis zum Ende nicht. Immer mit einem komödiantischen Unterton im Stile von Shrek werden Personen- und aminimiertes Kino mit einem Feuerwerk aus Spezial-Effekten à la Monster AG, mit Plastic-Fantastic-Kino-Bauten (Wizard of OZ lässt grüßen) und aufwändigen Martial-Arts-Inszenierungen kombiniert:

Man nehme von jedem Unterhaltungs-Genre rund um die Welt eine kräftige Portion der zentralen Ingredienzien und lade sie mit ordentlich Animation auf – dann hat mans …

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21. Februar 2018
von maxuta
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Al Gami’ya – ein feministischer Blick in eine patriarchale Gesellschaft

 

Der Regisseurin Reem Saleh ist ein anrührender Einblick in fremde Frauen-Leben in einem patriarchalen Kontext gelungen und die Dokumentation von Lebenswegen ohne einen regelnden Staat. Sie kommentiert durch ihren feministischen Blick, ihre Parteilichkeit, ihr Mitgefühl.

Im lauten, dreckigen, verfallenen Kairoer Stadtteil Rod el Faraq – dem Heimatviertel ihrer Mutter in Kairo und nicht einem der ärmsten, wie sie im Filmgespräch kommentiert – begleitet sie vor allem die Frauen.

Sie sorgen für Essen, Wohnung, Kranken-Pflege und meistenteils auch das Einkommen. Sie haben die Verantwortung für die Kinder, sie handeln aus, streiten und vertragen sich. Sie versorgen, lieben, stützen und verlassen ihre Männer – und werden von ihnen zurückgeliebt, aber auch schlecht behandelt und verlassen.

Und Scheidungen scheinen von beiden Seiten auszugehen und initiiert werden zu können. Hätten wir das mit Ägypten assoziiert? Eine der Protagonistinnen heiratet den Vater ihrer Kinder dreimal…
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21. Februar 2018
von maxuta
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Berlinale – das ist die Zeit der nicht gesehenen Filme

Die Gründe sind in jedem Jahr vielfältig. Anfangs geht es damit los, dass ein unerfindliches Karten-Management selbst den riesigen Friedrichstadtpalast innerhalb von kürzester Zeit ausverkauft sein lässt. Dann scheint auch eine erkleckliche Anzahl an Berlinale-Besucher*innen vor allem am ersten Wochenende unterwegs zu sein. Und es gibt auch noch das Problem mit den Überschneidungen oder nicht ausgesuchter Alternativen. Ab dem dritten Verkaufstag wird es dann deutlich leichter, die Wunschfilme zu bekommen.

Und so werden die nicht gesehenen Filme in diesem Jahr…
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20. Februar 2018
von micha
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14 Apples – Wackelkameraalarm

In 14 Apples bekommt  Regisseur Midi Z, als er bei seiner Mutter zu Besuch ist, zufällig mit, dass sein alter Freund Shin-Hong an Schlaflosigkeit leidet und von einem Wahrsager die Empfehlung erhalten hat, vierzehn Äpfel zu kaufen und damit vierzehn Tage als Mönch in einem abgelegenen Kloster zu verbringen. Das ist die Vorgeschichte zum Film. Er fährt spontan mit, und filmt alles mit wackeliger Kamera.

Auf der Autofahrt ins Kloster hoffe ich noch, dass alles ruhiger wird, wenn er erstmal im Kloster angekommen ist. Es stellt sich aber heraus, dass er zu Fuß, wenn er den Mönchen auf Almosentour folgt, oder wenn einige Frauen riesige Wassereimer auf dem Kopf bis ins Kloster tragen, genauso wackelt. Mir wird ein wenig übel, und kurz frage ich mich, ob ich rausgehen soll. Die Augen schließen geht aber auch, das ist sogar ganz erholsam. Als ich kurz darauf neben mir die Sitzreihe entlang schaue, haben da mehr als die Hälfte der Leute die Augen zu.

Einige Szenen sind wirklich interessant: es ist sehr erstaunlich, wie viel die Dorfbevölkerung spendet. Eigentlich viel mehr als die paar Mönche brauchen, und vermutlich mehr, als sie sich leisten können. Noch erstaunlicher ist, wie die Mönche über Geld reden, als ginge es nur darum, möglichst viel Einkommen zu generieren, und vor allem auch für allen möglichen Blödsinn zu verbraten – Lotterie zum Beispiel. Das kam mir nicht sehr buddhistisch vor. Zwei junge Frauen erhoffen sich Beratung, als sie vorhaben zum Arbeiten nach China zu reisen. Sie haben seltsame Vorurteile, dass Chinesen immer mit den Füßen anstatt mit den Händen auf Dinge zeigen. Sie wissen nicht viel über die Arbeitsbedingungen und haben Sorge, ob sie es jemals schaffen werden zurückzukehren.

Außerdem isst Shin-Hong jeden Tag einen der Äpfel. Und ich dachte, die seien ein Mitbringsel für das Kloster.

Als er nach dem Film auf die Bühne kommt, zeigt Midi Z durchaus Selbstironie, als er seinen Film als gutes Mittel gegen Schlaflosigkeit anpreist. Einigen hat der Film sehr gut gefallen, aber ich finde Wackelkamera eher unangenehm und als Stilmittel, um Authentizität zu vermitteln, völlig überflüssig.

Stycie Waweru

20. Februar 2018
von micha
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Supa Modo

Supa Modo von Likarion Wainaina beginnt mit einer Filmvorführung auf der Kinderkrebsstation. Der Text zum Film wird von einem jungen Mann eingesprochen (Echo: das ist ja genau wie hier bei den Kinderfilmen, nur viel lauter und mit mehr Geräuschen!), die Kinder sind begeistert. Auf dem Weg zu ihrem Zimmer fachsimpeln Jo und ihr Freund Kush über Superkräfte – Jo möchte am liebsten fliegen können.

Dann wird Jo von ihrer Mutter nach Hause geholt. Sie soll ihre letzten Monate bei der Familie verbringen. Ob das so eine gute Idee ist? Sie vermisst die FreundInnen aus der Klinik und muss meistens alleine bleiben, während Mutter und die große Schwester Mwix unterwegs sind.

Jo zuliebe inszeniert Mwix Situationen für die Superheldin Supa Modo (das heißt Superperson), angefangen von Salzfassrücken durch Superkraft, bis hin zum Handtaschenraub, bei dem Supa Modo die Tasche zurück gewinnen soll. Filmvorführer (und Kinobetreiber und Hochzeitsvideoregisseur) Mike findet es nicht richtig, Jo so zu belügen, aber „What harm lies in a little illusion?“

Die Frage ist, welche Illusionen sind die richtigen: die, die wichtige Wahrheiten aus falscher Rücksicht unterschlagen oder die, die wir mit Kreativität und bei vollem Bewusstsein schaffen, um uns selbst und anderen einen Freude zu machen? Die Antwort ist hier eindeutig, und als sie einmal gefunden ist, macht sich das ganze Dorf mit großer Energie und Einfallsreichtum an die Umsetzung. Das Ergebnis ist absolut herzergreifend – ich habe die ganze Zeit gerührt vor mich hingeschnieft.

Und dann steht da nach der Vorstellung die zauberhafte Stycie Waweru auf der Bühne, plaudert munter darüber, dass es ihr sehr schwer gefallen ist, für den Film die Haare abschneiden zu lassen – sie musste mit Pizza und dem Auftritt des Regisseurs in einem Kleid bestochen werden. Auf die Frage, wie ihre Haare so schnell wieder gewachsen sind, verrät sie, dass das nicht ihre richtigen Haare sind, die sind nämlich noch längst nicht wieder so lang. Sie findet Haare aber wichtig und wollte gut aussehen, und überhaupt, vertraut sie uns an, das machen wir so in Afrika, viele Frauen tragen falsche Haare, „we trick people“.

Stycie Waweru

Stycie Waweru, die kleine Superheldin im Interview im Haus der Kulturen der Welt

19. Februar 2018
von micha
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Les rois mongols – wie man eine Oma kidnappt

Les rois mongols von Luc Picard spielt während der Oktoberkrise 1970 in Quebec. Weil der Vater von Manon und ihrem kleinen Bruder Mimi im Sterben liegt und die Kinder dann in getrennte Pflegefamilien sollen, fasst Manon einen großen Plan: mit Hilfe ihrer Cousins Martin und Denis entführen sie eine alte Frau, die ihre Oma werden, Kuchen backen, vorlesen und für Mimi ein Mickey-Mouse-Kostüm nähen soll…

Der Film ist toll, und die Einsprecherin macht ihre Sache großartig. Wer das nicht kennt: in fremdsprachigen Kinderfilmen gibt es statt Untertiteln eingesprochenen Text. Das stört überhaupt nicht, denn die EinsprecherInnen können wunderbar vorlesen. Großartig sind auch die Fragen der Kinder in der anschließenden Q&A-Session: warum haben immer alle geraucht? – das war damals so. Waren die Zigaretten echt? – Ja. Waren sie bei allen Schauspielern echt (die Frage zielt auf den großen Cousin)? Ja, aber nicht alle haben echt geraucht. Haben die beiden sich in echt geküsst? Ja – großer Jubel im Publikum.

P.S.: Der Filmtitel kommt von einem Kinderspiel, bei dem ein Kind sich albern zurecht macht und das andere dann dreimal „Ich grüße dich Mongolenkönig“ sagen muss, ohne zu lachen. Sehr cool ist die Szene, als Martin das zu einem auf der Straße Wache stehenden uniformierten Soldaten sagt.